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Geschichte der Halleschen Slavistik

Die Anfänge der Slavistik in Halle

Der Beginn der Slavistik an der Universität Halle ist unlösbar mit dem Wirken der Pietisten um August Hermann Francke (1663 - 1727) verbunden. Im Bestreben, ein überkonfessionelles Christentum zu verbreiten, sollte allen Völkern, darunter den slavischen, die Religion auf der Grundlage von christlicher Erbauungsliteratur und der Bibel in deren eigener Sprache verkündet werden. Die russisch-orthodoxen Slaven interessierten den Theologen Francke außerdem als Träger einer Frömmigkeit, die dem Pietismus näher stand als der Katholizismus. So setzte er sich zum Ziel, pietistische Geistliche in slavischen Sprachen auszubilden, um tschechische, slowakische und polnische Protestanten für den Pietismus zu gewinnen bzw. auf die russisch-orthodoxe Bevölkerung im Sinne des Pietismus Einfluss zu nehmen. Außer sprachgebildeten Geistlichen brauchte man dafür auch religiöse Literatur in slavischen Sprachen. Diese müsste zuerst aus dem Deutschen übersetzen werden. Um Sprachausbildungs- und Übersetzungsaufgaben bewältigen zu können, bedurfte es einer geregelten Ausbildung. Bereits vier Jahre nach ihrer Gründung (1694) wurde im Winter 1698 an der Universität Halle zum ersten Mal in Deutschland (und wohl auch in Europa) Russisch unterrichtet, und zwar von Heinrich Wilhelm Ludolf (1655 - 1712), der zwei Jahre zuvor - 1696 - die erste Grammatik des Russischen in Oxford in lateinischer Sprache veröffentlicht hatte. 1702 wurde das Collegium orientale theologicum an der Theologischen Fakultät gegründet, wo u.a. "Sclavonisch, Russisch und Polnisch" gepflegt wurden. Die ersten Lehrer dieser Sprachen waren Studenten aus Russland, dem Baltikum oder Ostpreußen. Einige von ihnen sind auch als Übersetzer pietistischer Literatur und der Bibel in slavische Sprachen bekannt, deren Drucke in der Franckeschen Waisenhausdruckerei entstanden sind.

Ausführlich zur älteren Geschichte zwei neuere Publikationen:
Ch. Fleckenstein, H. Schmidt: in: Slavica Varia Halensia Bd. 2.
J. Wallmann, U. Sträter (hrsg.): Halle und Osteuropa, Zur europäischen Ausstrahlung des hallischen Pietismus, Tübingen 1998. (Hallesche Forschungen Bd. 1)
Und für die Neugierigen:
M. Fundaminski, Die Russica-Sammlung der Franckeschen Stiftungen zu Halle, Tübingen 1998. (Hallesche Quellenpublikationen und Repertorien Bd. 2).


Die moderne Slavistik in Halle

Ab 1920 war an der Universität Halle eine ständige Lektoratsstelle für slavische Sprachen eingerichtet, welche Dmitrij Tschizevskij (1894-1977), später einer der bekanntesten Slavisten Deutschlands, von 1932-1945 bekleidete. Obwohl offiziell nur Lektor nahm er alle Aufgaben eines Ordinarius wahr. Neben russischen, polnischen - und "bei Bedarf" ukrainischen, tschechischen und slovakischen - Sprachübungen bot er Vorlesungen zu allen Perioden der russischen und ukrainischen Literatur, zu geistigen Strömungen in Russland im 18. und 19. Jh., zur deutschen Dichtung und deutschen Philosophie in Rußland, zur ostslavischen Volkskunde, zur tschechischen Literatur des Mittelalters, der Barockzeit, zur polnischen Kultur- und Geistesgeschichte seit dem 16.Jh., zu den Einflüssen von Krieg und Revolution auf die russische Sprache u.v. m. an.

In memoriam Dmitrij Tschizevskij, ed. A. Richter, Halle 1997. (= Slavica Varia Halensia).

Seit September 1945 bestand ein ständiger Lehrstuhl für slavische Philologie, in den 70er und 80er Jahren wurden fünf weitere Lehrstühle eingerichtet: Lehrstuhl für russische Literatur, Lehrstuhl für russische Sprachwissenschaft, Lehrstuhl für russische Sprache der Gegenwart, eine Professur für Sprachgeschichte, Lehrstuhl für sowjetische Literatur.
Gegenwärtig gibt es am Institut für Slavistik drei Professuren: Slavische Philologie/Sprachwissenschaft, Slavische Philologie/Literaturwissenschaft, Südslavistik.


Halles slavistische Partneruniversitäten

  • Philologische Fakultät, Lomonosov-Universität Moskau (Russland)
  • Institut russkoj literatury Rossijskoj Akademii nauk St. Peterburg (Russland)
  • Philologische Fakultät, Universität Woronesh (Russland)
  • Universität Katowice (Polen)
  • Philosophische Fakultät Novi Sad (Serbien und Montenegro)
  • Internationales Slavistenzentrum Beograd (MSC)
  • Philologische Fakultät Skopje (Makedonien)
  • Philosophische Fakultät der Universität Zagreb (Kroatien)
  • Philosophische Fakultät der Universität Sarajevo (Bosnien und Herzegowina)

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